Walking Football – der Fußball im Schritttempo – hat sich innerhalb kürzester Zeit von einer belächelten Idee zu einer weltweiten Bewegung entwickelt. Der offizielle Startschuss für dieses Phänomen fiel im Jahr 2010 im englischen Chesterfield.
Der Geistesblitz in Chesterfield
Die Geburtsstunde des Sports schlug, als John Croot, der damalige Geschäftsführer des Chesterfield FC Community Trust, nach einer zündenden Projektidee suchte. Die britische Football Foundation hatte Fördergelder in Höhe von 20.000 Pfund bereitgestellt, um Menschen über 50 Jahren wieder in Bewegung zu bringen und sozial zu aktivieren. Während einer Autofahrt kam Croot der entscheidende Gedanke: Fußball, aber ohne das Laufen.
Er entwarf ein rudimentäres Regelwerk. Obwohl die Idee von den Trainern des Vereins anfangs mit lautem Lachen quittiert wurde, gründete sich im selben Jahr mit den Senior Spireites FC in Chesterfield der erste Walking Football Club der Welt. Ein Blue Plaque (historische Gedenktafel) am Stadion des FC Chesterfield erinnert heute offiziell an diesen Meilenstein.

Die Grundidee: Gesundheit im Fokus
Hinter dem verlangsamten Spielprinzip steckt ein durchdachtes medizinisches und soziales Konzept:
Minimiertes Verletzungsrisiko: Durch das strikte Verbot von Laufen, Grätschen und physischem Körperkontakt wird der Sport extrem gelenkschonend. Der Ball darf zudem nur unterhalb der Hüfthöhe gespielt werden.
Kardiologisches Training: Trotz des Geh-Verbots geraten die Spieler in ein „Schnellgehen“. Das sorgt für ein effektives Herz-Kreislauf-Training, kurbelt die Fettverbrennung an und reguliert den Blutdruck.
Mentale und soziale Gesundheit: Ein Kernaspekt des Sports ist die Bekämpfung von Einsamkeit und sozialer Isolation im Alter. Das gemeinsame Ausüben des Hobbys fördert die Ausschüttung von Glückshormonen, stärkt das Gruppengefühl und hält das Gehirn fit (Demenzprävention).
Der internationale Durchbruch
Die Begeisterung blieb nicht lange auf die britischen Inseln beschränkt. Über die Niederlande und Belgien schwappte die Welle schnell auf das europäische Festland und schließlich um den Globus.
2018: Das erste offizielle Länderspiel der Geschichte wurde im Mai zwischen England und Italien ausgetragen.
2019: Auch im deutschen Sprachraum professionalisierte sich die Sportart; die DFL initiierte erste Turniere mit Traditionsvereinen wie dem FC Schalke 04, Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund.
Heute: Mit der Federation of International Walking Football Associations (FIWFA) existiert ein internationaler Weltverband. In über 80 Ländern weltweit wird der entschleunigte Kick mittlerweile zelebriert – sogar bei offiziellen World Nations Cups.
Walking Football hat bewiesen, dass die Leidenschaft für „The Beautiful Game“ kein Verfallsdatum kennt.

Bildnachweis: Images taken by Tina Jenner Photography